Blumenfeld

Schöne neue, kreative, sportliche Welt – Geht es mir eigentlich jetzt immer gut?

Von außen wirkt es sicherlich ganz positiv. Ein Mensch, der nach seiner Erkrankung so langsam wieder an Fahrt aufnimmt und dabei ganz viel anders machen will als bisher. Und es ist auch gut. Und dennoch heißt das nicht, das immer alles gut ist. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich habe nicht nur mein bisheriges Leben auf den Kopf gestellt, sondern – wenn die negativen Bewertungen in Gedanken einsetzen – ich habe mit dem Hintern eingerissen, was ich mir über Jahre mit Fleiß, Intelligenz, Anstrengung und Disziplin aufgebaut habe. Zwar versuche ich die negative Bewertung zu hinterfragen, aber das Gefühl bleibt zunächst einmal. Egal, ob das angemessen ist (denn der bisher eingeschlagene Weg hatte ja auch offensichtlich einen Preis). Und klar ist auch, dass ich nicht so weiter machen kann, ja auch gar nicht will.

Was es aber manchmal so beunruhigend macht, was die Angst schürt und den inneren Kritiker zu ätzenden Kommentaren verleitet, ist, dass ich noch keine Antwort auf die Fragen habe: und was kommt jetzt? Wie will ich denn anders sein? Was genau ist denn richtig für mich? Was will ich denn erreichen? Wo will ich hin? Und wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht der Mensch bin, den ich so lange kannte?

In einem Brief des Dichters Rainer Maria Rilke heißt es: “…ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, (…) Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

Zwar forsche ich natürlich doch schon ein wenig nach den Antworten, doch gleichzeitig versuche ich Geduld zu haben. Das fällt mir nicht jeden Tag einfach. An manchen Tagen sogar schwer. Dann möchte weinen, weil ich das Gefühl habe, ich hätte etwas verloren und noch nicht sehen, nicht spüren kann, was ich doch schon alles dazu gewonnen habe.

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Annette

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41 Jahre alt, norddeutsch, lesbisch, auf dem Weg der Besserung
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