Spiegelbild - Selbstabwertungen erkennen
Achtsamkeit & Selbstfürsorge

Selbstabwertungen erkennen

geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die Art und Weise, in der wir über uns selbst denken oder sprechen, prägt das Bild, das wir von uns haben. Und je negativer das ausfällt, desto mehr sollten wir uns auch gezielt auf die Suche nach Selbstabwertungen begeben. Denn wer sich selbst ständig und übertrieben selbst abwertet, wird es schwer haben sich zu mögen oder gar Selbstliebe zu entwickeln. Dazu gehört auch vor sich selbst Respekt zu haben und sich nicht Dinge zu sagen, die man auch jemand anderem nicht sagen würde. Im Beitrag “Warum wir netter zu uns selbst sein sollten” hatte ich dazu bereits einmal etwas geschrieben.

Ich greife das Thema auf, weil viele Menschen hart zu sich sind und es oft nicht einmal merken. Und auch weil meine inneren Gremlins (psychologisch korrekter: strenge Elternanteile) sehr aktiv werden können, wenn sie glauben, sie wären unbeobachtet.
Dass muss gar nicht immer in innere Beschimpfungen ausarten, also nicht so etwas wie „ich bin aber auch blöd”. Oft sind unsere inneren Gremlins bei den Selbstabwertungen viel geschickter. Eine Auswahl, die auch Dir dabei helfen soll, etwas achtsamer bei deinen inneren Dialogen zu sein:

1. Selbstabwertungen in Fragen

Gremlins stellen manchmal vermeintlich unschuldige Fragen: Wieso schaffst Du das eigentlich nicht? Wieso kriegst du das nicht hin? Wieso kriegen eigentlich die anderen das hin? Die offensichtlich bösen Varianten davon wären: Bist du zu blöd?
Eigentlich ist das wenig subtil, denn der Gremlin erwartet keine seriöse Antwort. Er erwartet nicht, dass man sagt: Ich lerne das noch, das funktioniert vielleicht erst beim zweiten Versuch. Er erwartet eigentlich keine Antwort, sondern was er möchte ist Druck erzeugen. Der Gremlin stellt die Weichen dafür, dass wir etwas beweisen wollen und uns beim Scheitern schlecht fühlen.
Mein Tipp: Entweder Gegenfragen stellen (Muss ich das denn hinkriegen? Ist es wirklich so schlimm, wenn es mir nicht gelingt?) oder ihn tatsächlich bewusst mit durchdachten, selbstfreundlichen Antworten kontern (Ich weiß, dass du möchtest, dass ich mich schlecht fühle, aber dafür gibt es aus XY Gründen keinen Grund. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche und möchte, dass du die Klappe hältst)

2. Selbstabwertung im Nebensatz

Gemeint sind hier nicht wirklich Nebensätze – kann aber auch vorkommen – sondern die kleinen Spitzen, die wir uns selbst manchmal entgegen schleudern. „Ich schon wieder!” „Typisch!” Auch das kurze Seufzen, wenn wir in den Spiegel gucken. So etwas entfährt uns meistens, zahlt aber auch auf das „Sich-nicht-leiden-können”-Konto ein.

3. Selbstabwertungen, die sich als Bescheidenheit verkleiden

Ladies, das geht vor allem an euch, auch wenn ich sicher bin, dass viele Männer das auch gut können. Aber Frauen werden mehr noch zur Bescheidenheit erzogen. Das führt dann gerne mal dazu, dass Komplimente beantwortet werden mit: „Ach, das ist doch nichts.” „Das olle Kleid, das habe ich schon ewig.” „Dieses Jahr sind mir die Kekse leider nicht so gut gelungen.” „Das ist mir ganz leichtgefallen.” „Andere machen das mindestens genauso gut.”
Bist du auch gut darin Freundlichkeiten aus dem Weg zu gehen und sie ab zu tun? Achte mal drauf.


Mein Tipp: Ein Kompliment annehmen und wirken lassen ist nicht dasselbe wie Angeben. Wem es schwer mit seinen Pfunden zu wuchern, kann zumindest üben einfach „Danke” zu sagen. Lächeln nicht vergessen. Wer es mit einem besonders schlimmen Gremlin zu tun hat, versucht Komplimente speziell für ihn zu sammeln. Wenn er dann beispielsweise ein paar Tage später schlechtes über die Weihnachtskekse sagt, dann kann man antworten: Heinz, Susanne oder Helga haben sie aber geschmeckt!
(PS: anderen Menschen Komplimente zu machen, macht es deren Gremlins übrigens auch schwerer. Also ruhig uneigennützig großzügig sein.)

4. Selbstabwertungen an Verallgemeinerungen erkennen

Sätze die mit „Ich bin immer…” „ständig muss ich…” „ich bin wirklich” haben eine sehr große Tendenz in eine Abwertung zu münden. Oder wann hast du das letzte Mal zu dir gesagt „ich bin immer so schön” „ich bin immer so klug” „ich bin wirklich toll”? Nein? Eben. Achte auf Sätze, die so beginnen. Es sind Sätze, die in Streitereien andere Mensch ebenfalls schnell aufregen. „Du bist immer so unordentlich.” Wenn wir andere Menschen damit schon ärgern und in eine Abwehrhaltung treiben können, warum glauben wir, dass uns selbst solche Sätze nichts ausmachen?

Ganz generell sollten wir mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein und genau darauf achten, wie wir mit uns selbst umgehen. Das heißt nicht, dass wir uns nicht auch mal über uns selbst ärgern dürfen.
Aber eine schlechte Tat macht noch keinen schlechten Menschen. Etwas Dummes machen, heißt noch lange nicht dumm zu sein. Einen Fehler zu machen, heißt nicht ein Fehler zu sein. Etwas in diesem Moment nicht zu schaffen, heißt nicht es niemals zu schaffen. Sich schlecht zu fühlen heißt nicht schlecht zu sein.

Zum Abschluss noch einige Beispielsätze, die etwas netter und hilfreicher für euch sein könnten und die ihr den Gremlins entgegen stellen könnt:

  • Ich kann immer noch dazu lernen
  • Fehler sind menschlich
  • Ich versuche es morgen noch einmal
  • Das ist mir nicht gut gelungen, aber vielleicht wird es beim nächsten Mal besser
  • Ich habe nicht alles geschafft, aber ich habe mir Mühe gegeben
  • Das passiert anderen doch auch
  • Wenn ich es nicht schaffe, ist das nicht schlimm. Ich kann es wieder versuchen.
    (Vielleicht wäre auch das downloaden der zehn Selbstaffirmationen etwas für Dich: <klick>)

Ich kämpfe selbst auch immer noch und immer wieder mit und gegen Selbstabwertungen. Mein Gremlin fragt gerade in dieser Woche zu allen möglichen Gelegenheiten: „Warum kriegst du das eigentlich nicht einfach hin?” Bedeutungsschwanger hebt er auch manchmal die Augenbraue und fügt hinzu: „Andere schaffen das doch auch.”
Lieber Gremlin: Ich bin nicht andere. Andere schaffen vielleicht anderes nicht so einfach. Und einfach ist sowieso ganz schön relativ. Also halt doch einfach die Klappe!


Woran erkennst Du Selbstabwertungen und wie gehst Du damit um? Schreib es mir in die Kommentare!
Folge mir auch gern auf Instagram oder Facebook!

Wie gut fandest du den Beitrag?

Klicke auf einen Stern um eine Bewertung abzugeben!

Average rating 0 / 5. Vote count: 0

Gib die erste Bewertung ab!

Tut mir leid, dass Dir der Beitrag nicht gefallen hat.

Lass ihn uns verbessern!

Sag mir, was ich verbessern kann

Werbung
Annette (KompassZeit)

43 Jahre alt, norddeutsch, verheiratet. Dem inneren Kompass folgend, lebend aus vollem Herzen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.